Arts & Design

Reinhold Messner: Grenzgang zwischen den Welten

Der bekannteste Bergsteiger der Welt zeigt sein noch von Zaha Hadid gestaltetes Museum auf der Kronplatz in Südtirol. Und spricht über Glaube und Inspiration.

Georg Kindel14. Februar 2017 No Comments

Sie haben mir vor Jahren erzählt, dass Sie den Yeti gefunden haben. Heißt: Jenes Wesen, das der Sage nach dem Yeti entspricht. Sind Sie immer noch dieser Meinung?
Diese Geschichte ist aufgeklärt. Diese Fabelwesen sind Teil einer jahrtausendealten Legende und kamen ursprünglich nur im tibetischen Raum vor, im Himalaya. Diese Wesen hatten eine zoologische Entsprechung. Das ist meine Aussage und dabei bleibt es auch. Es hat nichts mit Neandertaler-Legenden zu tun. Es ist ein Tier, der „Yeti“ ist eindeutig ein spezieller Bär. Englische Genetiker behaupten, durch Proben herausgefunden zu haben, dass dieser Bär mit dem Eisbär verwandt ist. Die machen jetzt einen Film darüber. Sie untersuchen Haare, Kot und sind sehr davon überzeugt, die Beweise zu finden. Ich bin nicht davon überzeugt. Die Bären sind alle verwandt. Aber wie weit entfernt? 100.000 Jahre? Eine Million Jahre? Wenn es aber eine jüngere Paarung wäre — sagen wir 5.000 oder 10.000 Jahre — könnten wir viel über die Eiszeit lernen. Ich sollte ja nach Pakistan fahren, da ich dort eine Stelle kenne, wo ich weiß, dass es noch diese Tiere gibt, die dem Yeti entsprechen. Wir wurden aber in Abu Dhabi aufgehalten, da es in Pakistan gerade einen Taliban-Angriff in einem Tal gab, durch das wir fahren hätten müssen. Man hat uns deshalb zurückgerufen.

Ich verwende keine Smartphones, Soziale Medien oder E-mails. Ich bin eigentlich nicht erreichbar.

Wir kämpfen heute in der Welt gegen Terror, Klimawandel, Armut. Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Kinder?
Die Lebensqualität in Summe ist weltweit gestiegen, auch wenn wir immer noch viele hungernde Menschen oder Krankheiten haben. Die Lebensqualität war früher, als ich aufgewachsen bin, wirklich niedriger. Ich rede hier nicht von Konsum, sondern von Lebensqualität. Ich weiß nicht, ob die nächste Generation die Kraft hat, die alten Leute, die wir ja aufgrund der verbesserten Medizin sein werden, zu finanzieren. Ich weiß nicht, ob die Menschen ihre Lebensqualität auch erhalten können.

1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bei 47 Jahren, heute bei weit über 80. Wie soll man diese Menschen ernähren? Wie kann man ihnen ein lebenswertes Umfeld schaffen?
In den Ländern, in denen das möglich ist, haben wir ja kein Bevölkerungswachstum mehr, abgesehen von den Flüchtlingen. Das ist ja auch die größte Frage: Ist das wirklich rechenbar? Kann man sie alle aufnehmen und finden dann alle eine Arbeit? Das Wachstum ist ja auch ein großer Vorteil. In armen Ländern wird es noch lange nicht möglich sein, dass Menschen lange leben. In vielen Ländern werden die Menschen immer noch nur 50 Jahre alt, zum Beispiel in Indien. Das ist tragisch, aber die Realität.

14. Februar 2017