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Der Chirurg zwischen Schönheit und Tod

Enrique Steiger ist einer der besten Schönheitschirurgen der Welt. Hollywoodstars fliegen zu ihm, doch seine Passion bleibt vielen verborgen.

Jessica Schreckenfuchs14. Februar 2017 No Comments

Welchen Stellenwert sollte Schönheit haben?
Schönheit gehört zum Leben wie das Bedürfnis nach Liebe, Nahrungsaufnahme, Schlaf. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Schöne Menschen werden in der Gesellschaft ganz anders behandelt als weniger attraktive Menschen. Das hat nichts mit Fairness zu tun, sondern mit der Brutalität der Selektion der Natur.

Der stille Held: Enrique Steiger weiß, dass er immer wieder in den Krieg zurückkehren wird. Wer einmal das Leid gesehen hat, hört nie mehr auf, davon zu träumen.

Wohin geht Ihr nächster Einsatz?
Nach Syrien, Afghanistan oder in den Libanon. Vor einem halben Jahr war ich im Norden von Afghanistan. Es ist uns gelungen, dorthin vorzudringen, wo niemand war. Wir möchten ein Schulungszentrum in diesen Krisenregionen aufbauen, wo ich Ärzten aus Syrien, Somalia, Afghanistan die Basics der Kriegsmedizin vermitteln kann. Wir waren vor Kurzem erst in Syrien. Mir wurde gesagt, ich war der erste Humanitäre in medizinischer Mission seit Monaten, der in diesem Bereich dort tätig war. Und das ging nur, weil ich als Person ganz allein hingegangen bin. Das Rote Kreuz, die Vereinten Nationen, meine Regierung würde sich nie darauf einlassen, die Verantwortung für mich und mein Wohlergehen zu übernehmen.

Letzte Frage: Was inspiriert Sie persönlich?
Schöne Patienten, Musik und schöne Bilder. Tagtäglich. Wenn ich durch ein Museum gehe, einen Rembrandt anschaue oder Impressionisten, fallen mir manchmal Dinge auf, die mir als Chirurg an Patienten gar nie aufgefallen sind. Dass der Künstler bemerkt hat, wie der Abstand von den Seitenhaaren zu den Augen oder von der Stirn zu den Augen in dieser speziellen Konstellation wunderschön aussieht. Ich merke mir solche kleinen Dinge und übernehme das für meine Patienten. So kann ich mit wenigen Millimetern etwas schaffen, was Rembrandt oder Michelangelo auch hingebracht hat. Die Welt um mich herum inspiriert mich also tagtäglich aufs Neue.

14. Februar 2017